Die Ein-Kind-Politik Chinas

Ein-Kind-Politik in China
Ein Kind Politik Die Ein Kind Politik Chinas

Derzeit leben in China etwa 1,3 Milliarden Menschen. Dank der Größe des Landes ist die Bevölkerungsdichte im Vergleich zu den meisten europäischen Ländern zwar relativ niedrig, aber die anhaltende Landflucht resultiert in einer Übervölkerung des urbanen Raumes. Selbst wirtschaftlich und politisch unbedeutende Städte haben oft mehrere Millionen Einwohner, was in sozialen Problemen resultiert. Die chinesische Regierung befürchtete ein Versorgungsproblem für die exponentiell wachsende Bevölkerung und verhängte 1979 die Ein-Kind-Politik. Während der 1980er und 1990er Jahre war die strikte Regelung, dass jedes Paar nur ein Kind bekommen darf.Die Regeln der Ein-Kind-PolitikWenn ein Paar eine Heirat plante, musste es erst eine amtliche Erlaubnis einholen und Frauen mussten Kenntnisse über Empfängnisverhütung nachweisen. Außerdem musste man das vorgeschriebene Mindestalter von 20 Jahren für Frauen beziehungsweise 22 Jahre für Männer erreicht haben. Auch verheiratete Paare mussten amtlich bekannt geben, wenn sie ein Kind planten und auf die Genehmigung durch die zuständige Behörde warten. Dieses Amt für Bevölkerungskontrolle verwaltete auch „Kontingente“ an Kindern, die pro Einheit vorgesehen waren. Eine Einheit für die Ein-Kind-Politik konnte etwa ein Betrieb sein oder ein Wohnviertel. Durch die Kontingentierung wurde die Umsetzung der Ein-Kind-Politik auf das Kollektiv übertragen, die Verantwortung lag plötzlich nicht mehr nur beim einzelnen Paar, sondern bei der Gemeinschaft.Staatliche Maßnahmen zur Durchsetzung der Ein-Kind-Politik

Paare, die sich an die Regelungen der Ein-Kind-Politik hielten, konnten mit staatlich garantierten Vorteilen rechnen. Beispielsweise garantierte der Staat der Familie einen Arbeitsplatz und für den Nachwuchs einen kostenlosen Platz in der Kinderbetreuung sowie kostenlose Schulbildung bis zum 14. Lebensjahr. Monetäre Anreize wie kostenlose medizinische Versorgung, Kindergeld und eine höhere Rente sollten zusätzlich die Ein-Kind-Politik ­incentivieren. Umgekehrt waren für Paare, die sich der Ein-Kind-Politik wiedersetzten, harte Sanktionen vorgesehen. Neben den finanziellen Einbußen durch Wegfallen der Zuschüsse und das Verhängen hoher Geldstrafen war das Amt für Bevölkerungskontrolle befugt, die Zwangsräumung der Wohnung anzuordnen.

Probleme der Ein-Kind-Politik und Anpassen der Regeln

Im Jahr 2004 wurde die Ein-Kind-Politik etwas gelockert. Wenn beide Partner Einzelkinder sind, darf dieses Paar seit 2004 offiziell ein zweites Kind bekommen. Auch wer aus erster Ehe schon ein Kind hat, darf seit der Lockerung der Regelung in zweiter Ehe noch ein weiteres Kind bekommen. Eine Konzession an den ländlichen Raum war schon seit Einführung der Ein-Kind-Politik, dass ein zweites Kind erlaubt war, wenn das erstgeborene ein Mädchen war. Diese Regelung zeigt deutlich, wie wichtig Nachwuchs für die Strukturen auf dem ländlichen Raum war. Jungen wurden nicht nur als Arbeitskräfte gebraucht. In China ist es gesellschaftlich vorgesehen, dass ein Sohn seine Eltern im Alter zu versorgen hat. Mädchen bekommen von Ihrer Familie zur Heirat eine Mitgift und gehen dann vollständig in die neue Familie auf, sind also ab der Heirat für die Unterstützung ihrer Schwiegereltern verantwortlich. Grundlage für die Sicherung des Lebensabends war also für Paare im ländlichen Raum die Zeugung von mindestens einem Sohn.


Frauen und Mädchen unter der Ein-Kind-Politik

Seit der Einführung der Ein-Kind-Politik aber kann dieses System oft nicht mehr umgesetzt werden und die Geburt von zwei Töchtern stellt insofern für die Eltern eine Katastrophe dar, dass ihr Auskommen im Alter nicht mehr gesichert ist. Die Folge ist, dass Schwangerschaften mit Mädchen entweder abgebrochen oder die Mädchen als Neugeborene getötet werden. Auch die Aussetzung von weiblichen Kindern war eine Handhabe für Familien, die auf männlichen Nachwuchs gehofft hatten. Die Überwachung von staatlicher Seite her ist im ländlichen Raum schwierig und diese Praktiken daher nicht ungewöhnlich. Ein Beleg dafür ist das entstandene Ungleichgewicht zwischen weiblichen und männlichen Kindern. Mittlerweile hat sich der Schwangerschaftsabbruch oder die Tötung von weiblichen Babys schon derart niedergeschlagen, dass etwa jeder fünfte männliche Chinese keine Partnerin findet. In Folge dessen haben sich Prostitution und Frauenhandel als soziale Probleme verschärft. Menschenrechtler beklagen außerdem den Umgang mit weiblichen Föten oder Neugeborenen. Um dieser Praxis entgegenzuwirken, hat die Behörde für Bevölkerungskontrolle durchgesetzt, dass das Geschlecht des Kindes vor der Geburt nicht bestimmt werden darf.

Änderungen der sozialen Strukturen unter der Ein-Kind-Politik

Die Einführung der Ein-Kind-Politik hatte auch gravierende Auswirkungen auf die sozialen Strukturen Chinas. Während die chinesische Kultur und Tradition auf Großfamilien und der Verteilung der Verantwortung auf das Kollektiv aufbaute, wurde nun das Individuum sehr stark in den Vordergrund gerückt. Wie oben beschrieben, fehlte in China ein Rentensystem und die Unterstützung der Eltern durch die Kindergeneration war seit der Ein-Kind-Politik nicht mehr durchführbar. Stattdessen ist jetzt ein Kind, vor allem ein Sohn, plötzlich alleine für seine Eltern verantwortlich. Neben dieser finanziellen Bürde steht das Einzelkind im Zentrum der Aufmerksamkeit der Familie. Soziologen bezeichnen diese Generation der Einzelkinder als „kleine Kaiser“, die von ihren Eltern hofiert werden. Die gesamte Energie der Eltern wird in die Entwicklung des einzigen Nachkommens gesteckt. Neben der möglicherweise fehlenden Sozialkompetenzen wie Egoismus und mangelnde Rücksichtnahme auf andere, kann das Einzelkind aber auch unter den negativen Folgen seiner zentralen Rolle leiden. Viele Einzelkinder beklagen den psychischen Druck, dem sie ausgesetzt sind, denn der Anspruch der Eltern an das Einzelkind ist ungleich höher denn an mehrere Geschwister.

Die Ein-Kind-Politik als Bruch in der Sozialgeschichte Chinas

Die Ein-Kind-Politik war in ihrem Ziel erfolgreich, das Bevölkerungswachstum zu reduzieren. Der geplante Rückgang auf 120 Millionen Einwohner wurde aber nicht erreicht. Die Bevölkerung wächst weiterhin, aber das Wachstum erfolgt nun etwas langsamer als vor Einführung der Ein-Kind-Politik. Der Staat hat durch Lockerungen und Konzessionen bewiesen, dass die Regeln nicht in ihren letzten Konsequenzen durchdacht waren. Die Auswirkungen der Ein-Kind-Politik haben China vor allem im sozialen Aufbau stark verändert. Die Jahrhunderte alte Tradition der Überordnung des Kollektivs über das Individuum erfährt durch die Generationen der Einzelkinder einen Bruch. Plötzlich steht die Entwicklung des Einzelnen, des Einzel-Kindes, im Zentrum des Interesses der Familie, da davon auch deren eigenes Schicksal abhängt und auch wenn die Eltern finanziell unabhängig sind, definieren sie ihren Erfolg oder Misserfolg als Eltern über den einen Nachkömmling. Der große Erfolgsdruck auf den Söhnen, gleichzeitig die bedingungslose Unterorientierung aller familiären Strukturen zugunsten des Sohnes, die Abwertung von Mädchen, der Anstieg der alleinstehenden Männer, all das sind Konsequenzen aus der Ein-Kind-Politik, die die Regierung bei der Einführung nicht absehen konnte. Ob weitere Lockerungen in den Regeln folgen oder die Ein-Kind-Politik abgeschafft werden wird, ist aktuell nicht abzusehen. Für Diskussionen sorgt die Politik auf jeden Fall.

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  • Alexandra

    Can I get the name of the author? I want to quote him or her in my BA-thesis. Thank you!